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Predigt von Pfarrer Gast zum 6. Ostersonntag

Datum:
Veröffentlicht: 16.5.20
Von:
Detlef Hinz-Hemmers
„Und ich werde den Vater bitten, und er wird euch einen anderen Beistand geben, der für immer bei euch bleiben soll.“ – Joh 14,16

Predigt von Pfarrer Rainer Gast am 17. Mai 2020 zum 6. Sonntag der Osterzeit

„Und ich werde den Vater bitten, und er wird euch einen anderen Beistand geben, der für immer bei euch bleiben soll.“ – Joh 14,16

Geistesblitz, Geistesgröße, geistreich, geistesgegenwärtig, geistesabwesend, geistesarm, geistlos, geisttötend. Vieles in unserer Sprache dreht sich um den Begriff „Geist“, positiv wie negativ. Geist oder Ungeist begleitet unser individuelles Leben, unser Miteinander, unsere Gesellschaft, unsere Kirche. Alle unsere Lebensabläufe sind geistgeleitet, mehr oder weniger intensiv, oft gar nicht wahrgenommen. Manchmal freilich auch treiben so manche Ungeister ihr Unwesen.

Wenn wir Christen vom Geist sprechen, dann beziehen wir uns auf den Geist Gottes, der schon im Buch Genesis, ganz am Anfang der Bibel seinen großen Auftritt hat. Bereits im 2. Satz der Bibel, wo von Wüste, Leere und Finsternis auf der Erde die Rede ist, schwebte Gottes Geist über den Wassern. Gottes Geist, der alles Tote und Leblose zum Leben erweckt, aufblühen lässt, die Finsternis vertreibt und Licht hervorbringt, welches Leben ermöglicht.

Damals wie heute ist es so. Ohne Gottes Geist kein Leben. Jesus spricht heute im Evangelium von diesem Geist. Er nennt ihn Beistand. Geist Gottes, der uns beisteht und der für immer bei uns bleiben soll. Um diesen Beistand bittet Jesus, wenn er auf seine Jünger schaut, wenn er heute auf uns schaut. Der Beistand Gottes von Jesus für uns erbeten und den wir bald feiern an Pfingsten. Sein Geist als Beistand für jeden einzelnen von uns, für das je eigene Leben mit seinen Plagen und Schwierigkeiten, mit seinen Fragen und Aufgaben, mit seiner Trauer und Angst. In all dem erbittet Jesus den Beistand Gottes für jeden einzelnen von ihnen in ihrer jetzigen Lebenssituation und auch für die ihnen bekannten und für sie so wertvollen Menschen und so will ich es erhoffen auch für mich selbst.

Der Geist Gottes lockt uns in allem, was wir erfahren und was uns widerfährt zum Leben. So wie damals am Anfang der Geschichte als alles wüst und leer war und Finsternis das Land bedeckte. Er lockt uns zum Leben hinein in eine gute Zukunft mit einer hoffnungsvollen Perspektive. Auch und gerade jetzt, wo wir uns in vielem so hilflos und begrenzt erfahren. Wüst und leer und finster. Gottes Geist will

uns im jetzigen Durcheinander davor bewahren, Ungeistern hinterherzulaufen, die uns alles Mögliche versprechen und vorgaukeln und sich doch letztlich nur selbst im Blick haben. Dass wir diesen Ungeistern, die sich so vehement in diesen Tagen in den Vordergrund drängen wollen, nicht auf den Leim gehen. Gottes Geist will, dass wir in aller Hitzköpfigkeit und Aufgeregtheit, in aller Nervosität und Ungeduld kühlen Kopf bewahren und unseren Verstand gebrauchen wenn es um zu treffende Entscheidungen geht, geistreiche Entscheidungen, die uns alle angehen und uns allen zum Guten gereichen und nicht nur wenige in ihren je eigenen Interessen.

Gottes Geist möge uns also in aller je eigenen Sorge den Blick für das Ganze schenken in Verantwortung füreinander. Den Blick auf das Leben aller auf der einen Welt, in die Gott uns hineingestellt hat. Den Blick auf das Leben in seiner Buntheit und Vielfalt unserer Erde, die Gott uns anvertraut hat, sie zu hegen und zu pflegen gestärkt mit seinem guten Geist.

Amen.