Baldachin-Renovierung Allerheiligen
Porentief rein: Jesus ist zurück
So einiges hat der Altar erlebt, während die Allerheiligenkirche saniert wurde. Plötzlich war der Baldachin über ihm verschwunden, dann umschloss ihn wochenlang das Stangengewirr eines Gerüsts für die Wandreinigung. Anschließend stand er lange Zeit erschreckend kahl und einsam, bis sich ab Februar Orgelpfeifen um ihn herum gruppierten. Nun aber ist es soweit, die Kirchensanierung ist – bis auf die Wandmalereien – abgeschlossen und die Kirche bereit, ihr prägendes Gesicht wiederzuerhalten: den Christusbaldachin. 1956 wurde er von Prof. Hans Uhl entworfen und von Dominikanerinnen im Bamberger Heiliggrabkloster gefertigt.
Textilrestauratorin Claudia Entschladen ist mit Helferinnen und Helfern angerückt, um das von ihr gereinigte, 7,8 Meter lange Kunstobjekt wieder über dem Altar zu installieren. Vorsichtig schieben sie eine Stoff-Schlaufe nach der anderen über die Baldachinstangen in Goldoptik, die ebenfalls restauriert wurden. Mussten an der oberen Baldachinstange nur Stellen retuschiert werden, wurde die untere, stärker verkratzte, neu mit Schlagmetall belegt.
Sehr behutsam werden sie wenig später samt Baldachin nach oben gezogen. Keine leichte Aufgabe, muss doch alles symmetrisch sein – und wie stets sind kleinere Hindernisse zu überwinden, die mächtig Zeit kosten. Nach und nach aber nimmt der Baldachin seine Position über dem Altar ein, und schließlich blickt Jesus frisch gereinigt und in textilen Details beeindruckend renoviert wieder auf Altar und Kirchenraum herab: Allerheiligen hat sein Gesicht wieder. „Toll, gerade mit der schonenden Trockenreinigung ist das wirklich schön geworden!“, sagt Architektin Ursula Huber, für die bestandsbewahrende Instandsetzung der Kirche zuständig. Begeistert blickt sie nach oben auf den Baldachin, und auch Claudia Entschladen ist zufrieden.
Was den Kirchenbesuchern, die am Palmsonntag wieder in Allerheiligen einziehen werden, möglicherweise erst auf den zweiten Blick auffallen wird: Selbst im Detail ist vieles erneuert und angepasst worden. So erstrahlt etwa der Glockenhalter vor der Sakristei taubenblau und hat eine ebensolche Kordel, der Altar ist frisch geölt, so dass das Lamm auf der Frontseite viel kontrastreicher zur Geltung kommt. Das Kreuz im Altarbereich ist von oben angestrahlt und kommt in seiner Gestaltung und Wirkung jetzt viel besser zur Geltung, und auch die neuen, ebenfalls taubenblauen Sitzkissen für die Kirchenbänke liegen schon bereit.
Angesichts des frisch sanierten Kirchenraums fällt die dringende notwendige Säuberung der Wandmalereien aktuell besonders auf. Im August soll das moderne Laserverfahren starten – in enger Abstimmung natürlich mit den Arbeiten an der klanglichen Gestaltung der Orgelpfeifen (Intonation)…
Text: Anabel Schaffer Fotos: Tilmann Grewe