Nachdenkenswert - Worte zur Fastenzeit 2020
1. Fastensonntag
„Abbild Gottes- der Mensch in Beziehung zu Gott und Welt“
Sr. Magdalena Winghofer, CJ, Stadtjugendseelsorgerin
Am 1. Fastensonntag lud Sr. Magdalena uns dazu ein, den wohlvertrauten Schöpfungsbericht (6. Tag) mit ihr genauer zu betrachten. Anhand einer Geschichte, die in einer Schreibstube in Babylon während der babylonischen Gefangenschaft des Volkes Israel spielte, konnten wir uns leichter vorstellen in welchem historischen Zusammenhang dieser Text entstanden ist.
Vier wesentliche Aspekte, über die es sich nachzudenken lohnt, hob Sr. Magdalena dann hervor:
„Herrschen“ ist positiv gemeint, im Sinne vom immer neuen Bändigen des Lebensfeindlichen und dem Schaffen und Erhalten von Lebensraum. Was kann es heute bedeuten: Lebensraum schaffen, Leben ermöglichen? Wo, durch wen, durch was ist menschliches Leben heute bedroht?
„Abbild Gottes“ ist ein Zuspruch an jeden Menschen. Er beinhaltet den Auftrag an jeden Menschen, in seinem Handeln das Handeln Gottes (Leben ermöglichen, schützen, bewahren, fördern) sichtbar werden zu lassen. Als Reflexion in der Fastenzeit könnten sich folgende Fragen ergeben: Wo, wie werde ich diesem Auftrag gerecht und wo nicht?
Ausdrücklich erwähnt wird im Schöpfungsbericht, dass auf die göttliche Schöpfungsarbeit der 7. Tag folgt, an dem Gott ruhte. Auch für die Menschen ist ein Wechsel zwischen schöpferischer Arbeit und feiernder Ruhe wichtig. Wie wird etwas vom göttlichen Lebensrhythmus in meinem Leben spürbar? Welche Rolle spielen Arbeit und Leistung in meinem Leben? Worüber definiere ich mich?
Im Schöpfungsbericht wird die Vision einer gewaltfreien Schöpfung beschrieben. Gott macht allerdings die Erfahrung, dass der Mensch unfähig ist, der Gewalt zu entsagen. Wir müssen uns fragen: Wem tun wir Gewalt an? Auf wessen Kosten leben wir? Soll und darf Mensch-Sein auf Kosten anderer Menschen und des Restes der Schöpfung gehen?
(J. Ertl)
2. Fastensonntag
„Jeder Mensch ist als Abbild Gottes gleichermaßen wertvoll“
Pastoralreferent Jürgen Kaufmann, Offene Kirche St. Klara Nürnberg
Jeder Mensch ist Abbild Gottes. Jeder Mensch ist deshalb gleichermaßen wertvoll, ganz gleich, ob er jung oder alt, männlich oder weiblich, arm oder reich, beheimatet oder fremd, Christ, Jude, Muslim, oder unreligiös ist. Dies hat eine Konsequenz, die wir alle schon in unserem Grundgesetz verankert wissen: die Würde des Menschen ist unantastbar.
Doch wie sieht es mit der Würde der Menschen unserer Tage auf der Flucht und in den Flüchtlingslagern aus? Oder der Obdachlosen, auch in unserer Stadt? Sicher, oft empfinden wir einfach nur Hilflosigkeit, wie diese Probleme zu lösen sind und müssen zugeben, dass wir es uns nicht vorstellen können, einen Flüchtling oder Obdachlosen zu Hause aufzunehmen. Doch wir sollten wenigstens nicht über die vielen Probleme unserer Zeit hinwegsehen und schon gar nicht gegen diese Menschen handeln, sondern unser Mitgefühl und unsere Verantwortung zeigen; vielleicht finden wir dann gemeinsam einen Weg, der ihre Lebenssituation verbessern kann.
Und noch einst sollte uns zu denken geben, nämlich die Worte Jesu: liebe Deinen Nächsten, wie Dich selbst. Wir sollen also unseren Nächsten lieben, uns in seine Lebenssituation hineinversetzen. Wir sollen aber auch uns lieben. Wer an sich nichts Wertvolles entdecken kann, wird auch den Anderen schlecht schätzen lernen. Fragen wir uns selbst: was macht mich wertvoll? Wir werden Gutes an uns finden. Und dann schätzen wir auch unseren Nächsten, der uns bisher vielleicht gleichgültig war.
(G. Blättner)